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Sport-Leistungskurs · Koordinationslehre

Praxis-Theorie-Verknüpfung
KAR-Modell

Wissenschaftliche Grundlagen des Koordinations-Anforderungs-Reglers nach Neumaier et al. – mit Quellenangaben und Sportpraxisbeispielen für den Leistungskurs Sport.

Historische Einordnung

Das Koordinations-Anforderungs-Regler-Modell (KAR-Modell) wurde von Arnold Neumaier im Jahr 2009 in seiner grundlegenden Arbeit „Koordinatives Anforderungsprofil und Koordinationstraining" vorgelegt. Es stellt bis heute das differenzierteste deutschsprachige Analyseinstrument zur systematischen Beschreibung koordinativer Bewegungsanforderungen dar.

Neumaier greift dabei auf das klassische Werk von Meinel und Schnabel zurück, die bereits 1974 eine erste systematische Koordinationslehre im deutschsprachigen Raum begründeten, sowie auf die kybernetischen Ansätze von Bernstein (1967), der als Begründer der modernen Bewegungswissenschaft gilt.

Neumaier (2009, S. 43): „Das koordinative Anforderungsprofil einer Sportart ergibt sich aus dem spezifischen Zusammenwirken von Druckbedingungen und Informationsanforderungen, die im Trainingsprozess gezielt aufgebaut werden müssen."

Einordnung in die Sportwissenschaft

Das KAR-Modell ist im Schnittfeld von Trainingswissenschaft, Sportmotorik und Bewegungspsychologie angesiedelt. Es gehört zur Gruppe der sogenannten Fähigkeitsmodelle, die koordinative Leistungsvoraussetzungen nicht als einheitliches Konstrukt, sondern als multidimensionale Anforderungsstruktur begreifen.

Koordination (allg.) Geordnetes Zusammenwirken von ZNS und Skelettmuskulatur zur Steuerung und Regelung von Bewegungsabläufen (Meinel & Schnabel, 2007)
Koordinative Fähigkeiten Relativ stabile, generalisierte Leistungsdispositionen für die Regulierung motorischer Handlungen (Hirtz, 1985)
Anforderungsprofil Systematische Beschreibung der koordinativen Anforderungen einer Sportart oder Übung anhand definierter Kategorien

Abgrenzung zu älteren Modellen

Ältere Modelle wie das Fähigkeitsprofil nach Hirtz (1985) (Reaktionsfähigkeit, Orientierungsfähigkeit, Differenzierungsfähigkeit, Rhythmusfähigkeit, Gleichgewichtsfähigkeit) beschreiben Koordination aus der Perspektive der Fähigkeit des Sportlers. Das KAR-Modell hingegen beschreibt die koordinativen Anforderungen der Aufgabe selbst — eine didaktisch und trainingspraktisch bedeutsame Verschiebung der Perspektive.

Merksatz für den Leistungskurs
Hirtz fragt: „Was kann der Sportler?" — Neumaier fragt: „Was verlangt die Aufgabe?" Das KAR-Modell analysiert die Aufgabe, nicht den Akteur.

Neurophysiologische Grundlagen

Motorische Koordination beruht auf dem sensomotorischen Regelkreis: Das zentrale Nervensystem (ZNS) empfängt afferente Informationen aus Sinnesorganen (Propriozeptoren, Exterozeptoren), verarbeitet diese und sendet efferente Steuersignale an die Muskulatur. Die Qualität dieser Informationsverarbeitung bestimmt die Bewegungsqualität.

Bernstein (1967) formulierte in seiner bahnbrechenden Arbeit „The Coordination and Regulation of Movements" das Prinzip der Redundanz motorischer Freiheitsgrade: Das menschliche Bewegungssystem hat weit mehr Freiheitsgrade (Gelenke × Achsen) als zur Lösung einer Bewegungsaufgabe nötig sind. Koordination besteht darin, diese Freiheitsgrade kontrolliert zu kondensieren (einzuschränken).

Bernstein (1967, S. 109): „Coordination of a movement is the process of mastering redundant degrees of freedom of the moving organ, in other words its conversion into a controllable system."

Das sensomotorische Regelkreismodell

Das Regelkreismodell nach Adams (1971) und Schmidt (1975) unterscheidet:

  • Soll-Wert (Referenz): Die gespeicherte Bewegungsvorstellung / motorisches Programm
  • Ist-Wert: Aktuelle Bewegungsrückmeldung (kinästhetisch, visuell, vestibulär)
  • Regelabweichung: Differenz → löst Korrekturreaktion aus
  • Stellgröße: Neuromuskulärer Korrekturbefehl

Das KAR-Modell beschreibt, unter welchen Bedingungen (Druckbedingungen) und über welche Kanäle (Informationsanforderungen) dieser Regelkreis beansprucht wird.

Koordination als Informationsverarbeitungsprozess

In Anlehnung an die kognitive Psychologie (Welford, 1976; Wickens, 1984) wird Koordination als Informationsverarbeitung unter Kapazitätsbegrenzung verstanden. Das menschliche Informationsverarbeitungssystem hat eine begrenzte Kapazität (vgl. Baddeley's Arbeitsgedächtnismodell, 2000). Erhöhte Anforderungen in mehreren Dimensionen gleichzeitig führen zu Interferenz und Kapazitätsüberschreitungen — sichtbar im Leistungsabfall unter Wettkampfbedingungen.

Sportpraxisbeispiel
Ein Fußballspieler beim Elfmeter: Geringe Zeitanforderung, aber hoher Präzisionsdruck, hoher Situationsdruck (Torwart bewegt sich, Zuschauer), hohe optische und kinästhetische Anforderungen — der Regelkreis muss unter emotionalem Stress präzise arbeiten.

Zwei-Wege-Steuerung: Open-Loop vs. Closed-Loop

Adams (1971) unterscheidet zwei fundamentale Steuerungsformen:

  • Closed-Loop (Regelung): Kontinuierliche sensorische Rückkopplung während der Bewegung. Typisch für langsame, präzise Bewegungen. Hohe Anforderung an Informationsverarbeitung.
  • Open-Loop (Steuerung): Bewegung läuft nach vorgespeichertem Programm ohne Rückkopplung ab. Typisch für schnelle ballistische Bewegungen. Im KAR-Modell: hoher Zeitdruck reduziert die Möglichkeit zur Closed-Loop-Regulation.

Die zwei Modelle der koordinativen Fähigkeiten

In der Sportwissenschaft existieren zwei etablierte Klassifikationen koordinativer Fähigkeiten, die im deutschsprachigen Raum am weitesten verbreitet sind:

Hirtz (1985) — 5 FähigkeitenMeinel/Schnabel (2007) — 7 Fähigkeiten
ReaktionsfähigkeitReaktionsfähigkeit
GleichgewichtsfähigkeitGleichgewichtsfähigkeit
RhythmisierungsfähigkeitRhythmisierungsfähigkeit
Kinästhetische DifferenzierungsfähigkeitDifferenzierungsfähigkeit
RaumorientierungsfähigkeitOrientierungsfähigkeit
Kopplungsfähigkeit
Umstellungsfähigkeit

Hirtz fasst sein Modell enger und betont die Grundfähigkeiten, die sich empirisch isolieren lassen. Meinel/Schnabel ergänzen Kopplungs- und Umstellungsfähigkeit als eigenständige Konstrukte, die besonders für Spielsportarten und situativ offene Bewegungsaufgaben relevant sind. Im NRW-Lehrplan (KLP Sport, Sek II) wird das Meinel/Schnabel-Modell mit 7 Fähigkeiten als Referenzrahmen verwendet.

KAR-Dimensionen und koordinative Fähigkeiten — die Brücke

Das KAR-Modell und die koordinativen Fähigkeiten beschreiben zwei Seiten derselben Medaille: Das KAR-Modell analysiert die Anforderungen einer Bewegungsaufgabe (Was verlangt die Situation?), die koordinativen Fähigkeiten beschreiben die Voraussetzungen des Sportlers (Was muss er können?). Im Sportunterricht wirken die sieben Fähigkeiten oft wie eine abstrakte Liste. Das KAR-Modell macht sie didaktisch greifbar: Wer ein Anforderungsprofil erstellt, leitet logisch her, warum z. B. Umstellungsfähigkeit in dieser Übung trainiert werden muss — statt sie aus einer Liste zu übernehmen.

KAR-Dimension (Wert ≥ 6)Koordinative Fähigkeit (Meinel/Schnabel)Warum?
Zeitdruck ↑ReaktionsfähigkeitJe weniger Zeit, desto schneller muss auf ein Signal reagiert werden.
Situationsdruck ↑UmstellungsfähigkeitWechselnde Umgebung (Gegner, Ball) erfordert schnelle Programmkorrektur.
Präzisionsdruck + Kinästhetisch ↑DifferenzierungsfähigkeitFeine Genauigkeit erfordert präzise Muskelkraft- und Impulsdosierung.
Vestibulär + Gleichgewicht ↑GleichgewichtsfähigkeitLageänderungen und Drehungen fordern aktive Gleichgewichtsregulation.
Komplexitätsdruck + mehrere Informationskanäle ↑Kopplungsfähigkeit · OrientierungsfähigkeitViele parallele Teilkörperbewegungen und Raumorientierung gleichzeitig.
Akustisch ↑ oder Kinästhetisch ↑ (≥ 7)RhythmisierungsfähigkeitÄußerer Rhythmus (Musik, Takt) oder innerer Zeitrhythmus (Körpergefühl, Zeitschätztlauf) erfordern zeitliche Strukturierungsfähigkeit.
Situationsdruck + Komplexitätsdruck ↑AntizipationsfähigkeitVorausschauendes Handeln bei vielen Entscheidungsvarianten (Bernstein-Prinzip).
Fazit für die Unterrichtspraxis
Das KAR-Profil einer Übung wird so zum Planungsinstrument für gezieltes Koordinationstraining: Hohe Werte bei Zeitdruck und Situationsdruck zeigen, dass Reaktions- und Umstellungsfähigkeit trainingsrelevant sind. Die interaktive App zeigt diese Zuordnung direkt unter dem Anforderungsprofil an — als Brücke von der Aufgabenanalyse zur Trainingsplanung.

Konzept der Druckbedingungen

Druckbedingungen beschreiben die aufgabenimmanenten Anforderungsmerkmale, die den koordinativen Schwierigkeitsgrad einer motorischen Handlung bestimmen. Sie sind unabhängig vom Leistungsniveau des Sportlers — sie sind Eigenschaften der Aufgabe, nicht der Person.

1–2Sehr gering
3–4Gering
5–6Mittel
7–8Hoch
9–10Maximal

1. Präzisionsdruck

Der Präzisionsdruck beschreibt die Genauigkeitsanforderung an eine Bewegung — räumlich, zeitlich oder dynamisch. Er steigt mit zunehmender Verkleinerung des Toleranzbereichs (z.B. engeres Ziel, kleineres Zeitfenster, höhere Kraftdosierungsanforderungen).

Neurophysiologisch korreliert hoher Präzisionsdruck mit erhöhter propriozeptiver und visueller Afferenznutzung sowie verstärkter kortikaler Aktivierung (Jeannerod, 1988). Je höher der Präzisionsdruck, desto stärker muss das Closed-Loop-System beansprucht werden.

Skalenbeispiele
Niedrig (2): Handball-Torwurf auf leeres Tor aus 5m — großes Ziel, weiter Toleranzbereich.
Hoch (8): Billard-Stoß mit zwei Banden auf präzisen Zielpunkt — minimaler Toleranzbereich in drei Dimensionen.

2. Zeitdruck

Der Zeitdruck beschreibt die Anforderung, eine Bewegung in einem begrenzten oder sehr engen Zeitfenster auszuführen. Er beeinflusst direkt die Möglichkeit zur sensorischen Rückkopplung während der Bewegung.

Über einer Bewegungsdauer von ca. 200 ms wird eine Closed-Loop-Steuerung mit visueller Rückkopplung möglich (Keele & Posner, 1968). Darunter überwiegt die Open-Loop-Programmsteuerung. Hoher Zeitdruck erzwingt damit einen Wechsel vom kognitiv kontrollierten zum automatisierten Bewegungsmodus.

Skalenbeispiele
Niedrig (2): Yoga-Gleichgewichtsübung — freie Zeitgestaltung, beliebig langes Halten.
Hoch (9): Rückhandvolley im Tennis gegen einen 200 km/h-Aufschlag — Reaktionszeit unter 100 ms.

3. Komplexitätsdruck

Der Komplexitätsdruck beschreibt die Anzahl und Verschiedenartigkeit der gleichzeitig oder schnell nacheinander zu regulierenden Bewegungselemente. Er steigt mit der Anzahl zu koordinierender Körperteile, der Anzahl simultaner Aufgaben und der Verzahnungsenge von Teilbewegungen.

Kognitionspsychologisch entspricht dies der Dual-Task-Problematik (Kahneman, 1973): Mehrere Aufgaben teilen sich eine begrenzte Aufmerksamkeitskapazität. Hoher Komplexitätsdruck führt zu gegenseitiger Interferenz der Teilaufgaben.

Skalenbeispiele
Niedrig (2): Einfaches Gehen auf ebenem Untergrund — hochangepasste Automatisierung.
Hoch (9): Kunstturnen: Ringe-Übung mit simultaner Kraft-, Gleichgewichts- und Beweglichkeitsregulation.

4. Situationsdruck

Der Situationsdruck beschreibt den Grad der Variabilität, Unvorhersehbarkeit und Offenheit der Bewegungssituation. Er steigt bei zunehmend wechselnden Umgebungsbedingungen, gegnerischen Aktionen und situativer Unberechenbarkeit.

Kognitiv entspricht dies der Anforderung an die Antizipationsfähigkeit und an das taktische Handeln unter Unsicherheit (Schmidt & Lee, 2011). Hoher Situationsdruck erfordert einen schnellen Wechsel zwischen Handlungsalternativen und flexible Programmabruf.

Skalenbeispiele
Niedrig (2): Schwimmen — definierte, gleichbleibende Umgebung, kein Gegner.
Hoch (9): Feldhockey-Zweikampf — ständig wechselnde Positionen, Richtungsänderungen, Scheinbewegungen.

5. Belastungsdruck

Der Belastungsdruck ist die einzige Druckbedingung, die keine aufgabenimmanente Anforderung beschreibt, sondern den Zustand des ausführenden Systems. Er gibt an, unter welchem Ausmaß physischer oder psychischer Ermüdung die Bewegung ausgeführt werden muss.

Physiologisch führt Ermüdung zu einer Reduktion der zentralnervösen Verarbeitungskapazität, einer Verschlechterung der propriozeptiven Sensitivität (Proske & Gandevia, 2012) und einer Verlangsamung afferenter Signalverarbeitung. Dies erhöht faktisch alle anderen Druckbedingungen — ein bereits hoher Präzisionsdruck wird unter Ermüdung noch schwerer beherrschbar.

Wechselwirkung – wichtig für die App
Belastungsdruck ist der einzige Amplifikator im KAR-Modell: Er erhöht nicht selbst die Anforderung, sondern reduziert die Ressourcen zur Bewältigung aller anderen Anforderungen. In der interaktiven App sehen Sie dies als gelben Delta-Indikator auf den anderen Druckreglern.
Skalenbeispiele
Niedrig (2): Aufgewärmter, ausgeruhter Sprinter vor dem Start.
Hoch (9): Läufer im 1500m-Finale, letztes 200m-Spurt — maximale Azidose, Koordination unter extremer Ermüdung.

Konzept der Informationsanforderungen

Informationsanforderungen beschreiben, welche sensorischen Kanäle für die erfolgreiche Ausführung einer motorischen Handlung genutzt, verarbeitet und integriert werden müssen. Sie basieren auf dem Konzept der sensorischen Integration (Ayres, 1972), der Neurologie der Propriozeption (Kandel et al., 2000) und der Wahrnehmungspsychologie.

Die koordinative Anforderung eines Informationskanals steigt mit der Präzision, Aktualität und Komplexität der benötigten Information aus diesem Kanal.

1. Optische Anforderungen

Das visuelle System liefert beim Menschen ca. 80–90 % der Umgebungsinformationen (Kandel et al., 2000) und ist daher bei den meisten Sportarten der dominante afferente Kanal. Optische Anforderungen umfassen die Wahrnehmung von Objekt- und Körperbewegungen, die räumliche Orientierung und die visomotorische Koordination (Auge-Hand, Auge-Fuß).

Neuroanatomisch ist das visuelle Koordinationssystem in zwei Ströme geteilt: den ventralen „Was-Strom" (Objekterkennung, Temporallappen) und den dorsalen „Wo-Strom" (räumliche Lokalisation und Bewegungssteuerung, Parietallappen) (Goodale & Milner, 1992).

Hohe optische Anforderungen
Tischtennis: Ball-Tracking bei 100+ km/h, simultane Beobachtung des Gegners, Tischkanten und eigener Schlägerhaltung. Abrupte Richtungswechsel des Balls.

2. Akustische Anforderungen

Akustische Informationen dienen im Sport vor allem der Taktung und Rhythmusorientierung sowie der Reaktionsauslösung (Startschuss, Schiedsrichterkommando). Das auditive System hat gegenüber dem visuellen System eine kürzere neuronale Latenz (~8 ms vs. ~20 ms), was es besonders für Reaktionsleistungen bedeutsam macht.

In Mannschaftsspielen dienen Zurufe als Koordinationsmittel; im Kunstturnen und in der Rhythmischen Sportgymnastik ist die akustisch-motorische Synchronisation (Musik ↔ Bewegung) eine spezifische Koordinationsanforderung.

Hohe akustische Anforderungen
Rhythmische Sportgymnastik: Bewegungsablauf muss taktgenau mit Musikstruktur übereinstimmen; simultane Verarbeitung von Rhythmus, Metrum und emotionalem Ausdruck.

3. Taktile Anforderungen

Die taktile Wahrnehmung umfasst Druck-, Berührungs-, Temperatur- und Schmerzreize der Haut und liefert bei direktem Körper- oder Gerätekontakt wichtige Regulationsinformationen. Besonders bedeutsam ist die Diskriminationsleistung der Mechanorezetoren (Meissner-Körperchen, Ruffini-Körperchen, Pacini-Körperchen) für die Feinregulation von Griffstärke und Geräteführung.

Hohe taktile Anforderungen
Klettern: Fingerbeurteilung der Griffbeschaffenheit, Reibungswiderstand, Wärmeverteilung im Griff — entscheidend für Sturzvermeidung.

4. Kinästhetische Anforderungen

Die Kinästhesie (griech.: kinein = bewegen, aisthesis = Wahrnehmung) bezeichnet die Tiefensensibilität des Bewegungsapparates: Muskelspindeln messen Muskellänge und Dehngeschwindigkeit; Golgi-Sehnenorgane messen Muskelkraft; Gelenk-Mechanorezeptoren liefern Winkel- und Beschleunigungsinformation.

Kinästhetische Informationen sind die Grundlage des Bewegungsgefühls (feel for the movement) und der internen Bewegungsmodellierung. Hohe kinästhetische Anforderungen finden sich bei Sportarten mit feiner Kraftdosierung, Körpergefühlsarbeit und propriozeptivem Feedback.

Hohe kinästhetische Anforderungen
Gewichtheben: Präzise Dosierung der Beschleunigungsphasen in Reißen/Stoßen; das „Gefühl" für den optimalen Krafteinsatz-Zeitpunkt ist ausschließlich kinästhetisch vermittelt.

5. Vestibuläre Anforderungen

Das Vestibularsystem (Bogengänge + Makulaorgane) registriert Drehbeschleunigungen und Linearbeschleunigungen des Kopfes. Es ist maßgeblich an der Stabilisierung des Blickfeldes (Vestibulo-okularer Reflex), der Posturalreflexe (Vestibulo-spinaler Reflex) und der räumlichen Orientierung beteiligt (Goldberg et al., 2012).

Hohe vestibuläre Anforderungen entstehen bei schnellen Rotationen, Richtungsänderungen und lageabhängigen Positionen. Bei Überforderung des Vestibularsystems kommt es zu Schwindel, Desorientierung und Nausea, die die koordinative Leistung massiv beeinträchtigen.

Hohe vestibuläre Anforderungen
Eiskunstlaufen: 3-fache Axel — 3,5 Rotationen in ca. 0,5 Sekunden; vestibuläre Deafferentierung nach der Rotation muss durch Training kompensiert werden.

6. Gleichgewichtsanforderungen

Gleichgewicht im sportwissenschaftlichen Sinne beschreibt die posturale Kontrolle — die Fähigkeit, den Körperschwerpunkt über der Unterstützungsfläche zu halten oder gezielt zu verlagern (Winter, 1995). Es ist ein multisensorisches Konstrukt, das visuelle, vestibuläre und somatosensorische Informationen integriert und über den zerebrellären und spinalen Apparat reguliert wird.

Neumaier differenziert Gleichgewicht von vestibulärer Anforderung, da posturale Kontrolle ein höheres Integrationsniveau darstellt als die reine Vestibularperzeption.

Hohe Gleichgewichtsanforderungen
Surfen: dynamisches Gleichgewicht auf instabilem, sich bewegendem Untergrund; simultane Anpassung an Wellenbewegungen, Windeinfluss und Körperschwerpunktverlagerungen.

Warum das KAR-Modell kein additives Modell ist

Eine naive Lesart des KAR-Modells würde die Gesamtbelastung als schlichte Summe aller elf Werte berechnen. Dies wäre theoretisch falsch: Die Dimensionen sind nicht unabhängig voneinander, sondern interagieren in wissenschaftlich gut belegten Mustern. Die interaktive App visualisiert drei zentrale Wechselwirkungen.

Wechselwirkung 1: Speed-Accuracy-Tradeoff (Zeitdruck × Präzisionsdruck)

Das Geschwindigkeit-Genauigkeits-Dilemma ist eine der meistuntersuchten Gesetzmäßigkeiten der Motorik. Fitts (1954) zeigte in seinem wegweisenden Experiment, dass die Bewegungszeit für Zielaufgaben logarithmisch mit dem Verhältnis von Distanz zu Zielgröße ansteigt (Fitts' Law):

Fitts' Gesetz (1954): MT = a + b · log₂(2D/W) — wobei MT = Bewegungszeit, D = Distanz, W = Zielbreite, a und b = empirische Konstanten. Je kleiner das Ziel (höherer Präzisionsdruck), desto mehr Zeit wird benötigt. Wird diese Zeit durch Zeitdruck beschnitten, entsteht zwangsläufig ein Genauigkeitsverlust.

Schmidt et al. (1979) erweiterten diesen Befund durch die Impuls-Variabilitätshypothese: Bei schnelleren Bewegungen steigt die neuronale Impuls-Variabilität, was zu größeren Endpunktstreuungen führt. Gleichzeitig erhöht Zeitdruck die Ausschüttung von Stresshormonen (Kortisol, Adrenalin), die die motorische Präzision durch Veränderung der Muskelaktivierungsmuster weiter reduzieren (Janelle, 2002).

Bedeutung für die Trainingsplanung
Übungen mit gleichzeitig hohem Zeitdruck (9) UND hohem Präzisionsdruck (9) stellen extreme koordinative Anforderungen, die nur durch jahrelanges spezifisches Training bewältigbar sind. Ein Schütze, der unter Druckbedingungen (Zeitlimit + Präzision) trainieren will, muss diese Kombination systematisch aufbauen.

Wechselwirkung 2: Belastungs-Amplifikation

Physische Ermüdung beeinträchtigt die koordinative Leistung über mehrere Mechanismen:

  • Reduktion der propriozeptiven Sensitivität: Durch Laktatakkumulation und pH-Veränderungen verschlechtert sich die Impulsübertragung in Muskelspindeln und Golgi-Sehnenorganen (Proske & Gandevia, 2012)
  • Zentralnervöse Ermüdung: Sinkende Aktivierung des präfrontalen Kortex reduziert die kognitive Überwachung und Fehlerkorrektur (Lorist et al., 2005)
  • Biomechanische Kompensation: Ermüdete Muskeln ändern ihre Steifigkeitscharakteristik, was zu veränderten Bewegungsausführungen führt (Enoka & Duchateau, 2008)
Proske & Gandevia (2012, S. 1651): „Muscle fatigue leads to a significant reduction in the acuity of proprioceptive signals, particularly for muscle spindle afferents, which are crucial for fine motor control and limb position sense."

Wechselwirkung 3: Kognitive Informationsüberlastung (Komplexität × Info-Kanäle)

Wickens' Multiple-Resource-Theorie (1984, 2002) postuliert, dass das kognitive System über mehrere parallele Verarbeitungsressourcen verfügt (visuell-räumlich, verbal, motorisch). Werden diese simultan beansprucht, entstehen Interferenzen proportional zum Grad der Ressourcenteilung.

Entscheidend ist dabei nicht die bloße Anzahl aktiver Kanäle, sondern deren Ressourcenüberschneidung: Zwei Aufgaben, die denselben neurologischen Pfad nutzen, stören sich weit stärker als zwei Aufgaben aus unterschiedlichen Modalitäten. In der App wird das durch Kanalpaare abgebildet:

  • Vestibulär + Gleichgewicht (stärkste Interferenz, fast identische neuronale Pfade)
  • Taktil + Kinästhetisch (starke Überlappung im somatosensorischen System)
  • Optisch + Akustisch (geringe Interferenz — unterschiedliche Modalitäten)

Einfach gesagt: Wer gleichzeitig auf Gleichgewicht und vestibuläre Reize achten muss, ist stärker überlastet als jemand, der gleichzeitig schaut und zuhört — weil ersteres dieselbe „Leitung" doppelt belegt.

Sportpraxisbeispiel: Freiwasserschwimmen
Simultane Anforderungen: Optisch (Orientierung, Wellenkämme), Kinästhetisch (Schlagtechnik, Roll-Turn), Vestibulär (Lagewechsel durch Wellen), Taktil (Wasserwiderstand) und Gleichgewicht (posturale Kontrolle im bewegten Wasser). Vestibulär + Gleichgewicht sind gleichzeitig hoch aktiv — das ist die kritischste Kombination. Besonders in der Schlussphase bei hohem Belastungsdruck bricht die Koordination hier zuerst ein.

Wechselwirkung 4: Situations-Komplexitäts-Kopplung (Bernstein)

Diese Wechselwirkung ist im Originalmodell von Neumaier nur implizit enthalten, lässt sich aber direkt aus Nikolai Bernsteins Koordinationstheorie ableiten: Je offener und unvorhersehbarer eine Bewegungssituation ist, desto mehr mögliche Handlungsalternativen muss das Nervensystem gleichzeitig berechnen und bewerten. Bernstein nannte das das „Degrees of Freedom Problem" — das Problem der Freiheitsgrade.

Praktisch bedeutet das: Hoher Situationsdruck (variabel, gegnerbeeinflusst, unberechenbar) zieht fast immer einen höheren Komplexitätsdruck nach sich — weil die Auswahl der richtigen Bewegungslösung aufwändiger wird. Gleichzeitig steigt der funktionale Zeitdruck, weil Entscheidungen schneller fallen müssen. Zusätzlich erhöhen sich die Anforderungen an externe Wahrnehmungskanäle: Wer in einer unklaren Situation ist, muss intensiver hinschauen, hinhören, erspüren.

Für die Prüfung: Was bedeutet das konkret?
Situationsdruck ist kein isolierter Regler. Ein Basketball-Spielmacher im Fastbreak (Situationsdruck 9) hat dadurch automatisch einen höheren Komplexitätsdruck als beim freien Positionsspiel — obwohl die Aufgabe dieselbe sein kann. Die App macht genau diese unsichtbare Verschiebung sichtbar.
Vergleich: geschlossene vs. offene Situation
Stabhochsprung (Anlauf): Situation standardisiert, kaum Variabilität → Situationsdruck 2, Komplexitätsdruck bleibt unverändert.
Handball-Konter: Gegner bewegen sich, Lücken öffnen und schließen sich in Echtzeit → Situationsdruck 8–9, Komplexitätsdruck steigt durch die Kopplung automatisch mit — obwohl nur ein Regler direkt verändert wurde.

Methodische Vorgehensweise bei der Sportartanalyse

Bei der Anwendung des KAR-Modells zur Sportartanalyse empfiehlt Neumaier (2009) eine situationsspezifische Betrachtung: Das Anforderungsprofil einer Sportart variiert je nach Situation (Angriff vs. Verteidigung, Standardsituation vs. offenes Spiel). Sinnvoll ist die Erstellung von Profilen für typische Spielsituationen, nicht für die Sportart als Ganzes.

Basketball — Spielmacher im Fastbreak

Präzisionsdruck7 — Passgenauigkeit auf bewegten Mitspieler in Lücken
Zeitdruck8 — Entscheidung und Ausführung in < 0,5 Sek.
Komplexitätsdruck9 — simultane Ball-, Mitspieler-, Gegner-, Raumwahrnehmung + Ausführung
Situationsdruck9 — vollständig offene, sich ständig ändernde Situation
Belastungsdruck6–8 — im 4. Viertel unter Müdigkeit
Optisch9 — periphere Wahrnehmung mehrerer Akteure simultan
Kinästhetisch7 — Ballgefühl, Schrittregulation beim Dribbling

Judo — Wurfausführung im Wettkampf

Präzisionsdruck8 — millimetergenaue Kuzushi-Vorbereitung (Gleichgewichtsbrechen)
Zeitdruck9 — Wurfmoment an 0,1-Sek.-Fenster gebunden
Situationsdruck9 — gegnerische Gegenwehr, ständig wechselnde Positionen
Taktil9 — Griff-Druckinformation als primärer Handlungsauslöser
Vestibulär8 — Orientierung beim gemeinsamen Fallen/Drehen

Hochsprung — Flop-Technik

Präzisionsdruck9 — Absprungpunkt und -winkel auf cm-Toleranz
Zeitdruck9 — ballistische Absprungphase, keine Korrekturen möglich
Komplexitätsdruck8 — Anlauf, Absprung, Überwerfung, Landung als Einheit
Situationsdruck3 — standardisierte, geschlossene Situation
Kinästhetisch9 — Absprungdruck, Kurvengeschwindigkeit, Rückenstreckung
Vestibulär8 — Rückwärts-Flop-Rotation über Latte
Aufgabe für den Leistungskurs
Analysiert in Kleingruppen eine euch bekannte Sportart/Disziplin mit der KAR-App. Erstellt Profile für mindestens zwei kontrastierende Spielsituationen (z.B. Standardsituation vs. offenes Spiel). Diskutiert: Welche Wechselwirkungen werden sichtbar? Wie verändert sich das Profil unter Wettkampfbedingungen (höherer Belastungsdruck)?

Grundprinzip: Vom Profil zur Übung

Das Anforderungsprofil einer Sportart, erstellt mit dem KAR-Modell, liefert den Sollzustand für das Training. Übungsformen sind so zu gestalten, dass sie das Profil der Wettkampfsituation möglichst genau abbilden — oder gezielt einzelne Anforderungsdimensionen isolieren und steigern.

Neumaier (2009) empfiehlt die Differenzierungsmethode: Ausgehend von einer Grundübung werden systematisch einzelne KAR-Dimensionen variiert, um spezifische Trainingsreize zu setzen.

Die Differenzierungsmethode

ZeitvariationGleiche Bewegung unter Zeitdruck ausführen (Metronom, Gegner, Zeitlimit)
PräzisionsvariationZielgröße verkleinern, Kraftdosierung verfeinern, Toleranzbereich einengen
SituationsvariationVon der geschlossenen zur offenen Aufgabe; Gegner hinzufügen, Signale variieren
BelastungsvariationKoordinationsübungen ans Ende einer Belastungseinheit setzen (ermüdungsinduzierte Steigerung)
KanalvariationEinen Sinneskanal ausschalten (Augenbinde) → andere Kanäle stärker beanspruchen

Trainingsplanung: Periodisierung koordinativer Belastung

Nach Weineck (2010) und Roth & Krüger (2011) gilt für die Periodisierung koordinativen Trainings:

  • Vorbereitungsperiode: Hoher Anteil an Koordinationsübungen, vorrangig Lern- und Technikanforderungen — mittlerer Belastungsdruck, hohe Präzisions- und Komplexitätsanforderungen
  • Wettkampfvorbereitung: Wettkampfnahe Profile — Situationsdruck und Zeitdruck werden erhöht, Belastungsdruck steigt
  • Übergangsperiode: Koordinationsschulung ohne Ermüdungsdruck — Förderung der Grundkoordination und Regeneration

Praktische Übungsbeispiele mit KAR-Profilen

Übung 1: Ballfangen unter Zeitdruck (Basketball)
Zwei Spieler mit je einem Ball stehen sich gegenüber (5m). Gleichzeitiger Wurf auf Signal. Zielzonen (Reifen am Boden) verengen sich jede Runde.
KAR-Zieldimensionen: Zeitdruck ↑ (gleichzeitiger Wechsel), Präzisionsdruck ↑ (engere Zonen), Optisch ↑ (zwei Bälle simultan tracken).
Übung 2: Koordinationsleiter unter Ermüdung (Fußball)
Koordinationsleiter-Parcours wird nach 10 Sprints à 30m absolviert. Variationen der Schrittfolge werden jede Runde geändert.
KAR-Zieldimensionen: Belastungsdruck ↑, Komplexitätsdruck ↑ (neue Muster), Kinästhetisch ↑ (Fußarbeit unter Ermüdung), Zeitdruck ↑ (Tempoerhalt).
Übung 3: Reaktionswand (Handball)
Leuchtende Felder an einer Reaktionswand müssen in vorgegebener Zeit mit der Hand getroffen werden. Schwierigkeit steigt durch: schnelleres Tempo, kleinere Felder, Rückstoß durch Partner.
KAR-Zieldimensionen: Zeitdruck ↑, Präzisionsdruck ↑, Optisch ↑, Situationsdruck ↑ (unvorhersehbare Abfolge).

Aufgabenanalyse als diagnostische Methode

Die Erstellung eines KAR-Profils ist selbst eine diagnostische Methode: Die Expert*innen-Einschätzung von Trainer, Sportwissenschaftler und Athlet dient als Grundlage für eine systematische Aufgabenanalyse (task analysis). Diese kann durch:

  • Videoanalyse (Bewegungsqualität, Situationsvariabilität)
  • Biomechanische Messungen (Kraftkurven, Beschleunigungsprofile)
  • Eye-Tracking (visueller Suchprozess, Fixationsdauer)
  • Herzfrequenz-/Laktatmessung (Belastungsdruck objektivieren)

ergänzt und objektiviert werden (vgl. Williams & Grant, 1999; Vickers, 2007).

Reliabilität und Validität der Einschätzung

Da die KAR-Skalierung auf Expertenratings beruht, ist die Inter-Rater-Reliabilität ein kritischer Faktor. Studien zur Sportartanalyse zeigen, dass gut operationalisierte Ankerpunkte die Übereinstimmung zwischen Rater*innen auf Intraklassen-Korrelationskoeffizienten (ICC) > 0.75 anheben können (Bös, 2001; Roth & Krüger, 2011).

Schüler-Selbstdiagnose: Die App als Lernwerkzeug

Für den Sportunterricht im Leistungskurs bietet die KAR-App eine Möglichkeit zur angeleiteten Selbstdiagnose: Schülerinnen und Schüler analysieren bekannte Sportbewegungen oder selbst durchgeführte Übungen anhand der 11 Dimensionen, erstellen Profile und vergleichen diese mit Benchmarks aus der Literatur.

Klausur-Relevanz
Im Abitur Sport (NRW) ist die Beschreibung und Analyse koordinativer Anforderungen eine mögliche Teilaufgabe (vgl. Kernlehrplan Sport, MSB NRW 2014). Das KAR-Modell bietet hierfür eine fachlich anerkannte und operationalisierbare Grundlage — vorausgesetzt, die Einschätzungen werden sachlich begründet.

Primärliteratur zum KAR-Modell

  • Neumaier, A. (2009). Koordinatives Anforderungsprofil und Koordinationstraining. Grundlagen, Analyse und Methodik (3., erw. Aufl.). Köln: Sportverlag Strauß.
  • Neumaier, A. & Mechling, H. (1995). Allgemeines oder sportartspezifisches Koordinationstraining? Leistungssport, 25(5), 14–22.

Koordinationslehre und Motorik

  • Bernstein, N.A. (1967). The Coordination and Regulation of Movements. Oxford: Pergamon Press.
  • Hirtz, P. (1985). Koordinative Fähigkeiten im Schulsport. Berlin: Volk und Wissen.
  • Meinel, K. & Schnabel, G. (2007). Bewegungslehre – Sportmotorik. Umriß einer Theorie der sportlichen Motorik unter pädagogischem Aspekt (11. Aufl.). Aachen: Meyer & Meyer.
  • Roth, K. & Krüger, A. (2011). Sportmotorik. Grundlagen, Anwendungen und Grenzgebiete (2. Aufl.). Schorndorf: Hofmann.
  • Weineck, J. (2010). Optimales Training. Leistungsphysiologische Trainingslehre unter besonderer Berücksichtigung des Kinder- und Jugendtrainings (16. Aufl.). Balingen: Spitta.

Neurophysiologie und Kognitionspsychologie

  • Adams, J.A. (1971). A closed-loop theory of motor learning. Journal of Motor Behavior, 3(2), 111–150.
  • Enoka, R.M. & Duchateau, J. (2008). Muscle fatigue: What, why and how it influences muscle function. Journal of Physiology, 586(1), 11–23.
  • Fitts, P.M. (1954). The information capacity of the human motor system in controlling the amplitude of movement. Journal of Experimental Psychology, 47(6), 381–391.
  • Goldberg, J.M. et al. (2012). The Vestibular System: A Sixth Sense. New York: Oxford University Press.
  • Goodale, M.A. & Milner, A.D. (1992). Separate visual pathways for perception and action. Trends in Neurosciences, 15(1), 20–25.
  • Janelle, C.M. (2002). Anxiety, arousal and visual attention: A mechanistic account of performance variability. Journal of Sports Sciences, 20(3), 237–251.
  • Kahneman, D. (1973). Attention and Effort. Englewood Cliffs: Prentice-Hall.
  • Kandel, E.R., Schwartz, J.H. & Jessell, T.M. (2000). Principles of Neural Science (4th ed.). New York: McGraw-Hill.
  • Lorist, M.M. et al. (2005). Motor fatigue and cognitive task performance in humans. Journal of Physiology, 562(3), 849–858.
  • Proske, U. & Gandevia, S.C. (2012). The proprioceptive senses: Their roles in signaling body shape, body position and movement, and muscle force. Physiological Reviews, 92(4), 1651–1697.
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  • Winter, D.A. (1995). Human balance and posture control during standing and walking. Gait & Posture, 3(4), 193–214.

Schulbücher und Lehrpläne

  • MSB NRW (2014). Kernlehrplan für die Sekundarstufe II Gymnasium / Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen: Sport. Düsseldorf: Ministerium für Schule und Berufsbildung NRW.
  • Bös, K. (2001). Handbuch motorische Tests (2. Aufl.). Göttingen: Hogrefe.
  • Vickers, J.N. (2007). Perception, Cognition, and Decision Training: The Quiet Eye in Action. Champaign: Human Kinetics.