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⚡ Wechselwirkungs-Demos
Anforderungsprofil
EingestelltEffektiv
⚡
Koordinativer Zusammenbruch
Alle vier Wechselwirkungen gleichzeitig aktiv. Die effektiven Werte übersteigen die Verarbeitungskapazität — Fehlerrate steigt drastisch, Bewegungsqualität bricht ein.
Wechselwirkungen · anklickbar
Belastungs-Amplifikation
Belastungsdruck ≥ 7 verstärkt alle Druckbedingungen. Ab 8 auch: Wahrnehmungsverengung erhöht opt/kin/vest/glei.
▶ Beispiel: Fußball-Verlängerung laden
Speed-Accuracy-Dilemma
Gleichzeitig hoher Zeit- und Präzisionsdruck steigern sich gegenseitig überproportional (Fitts).
▶ Beispiel: Tennis-Return laden
Kognitive Informationsüberlastung
Ab 3 aktiven Kanälen steigt Komplexitätsdruck — bei >4 Kanälen eskaliert der Effekt sprunghaft.
▶ Beispiel: Basketball-Fastbreak laden
Situations-Komplexitäts-Kopplung
Hoher Situationsdruck (≥ 7) erhöht Komplexitäts- und Zeitdruck durch mehr Entscheidungsvarianten (Bernstein).
▶ Beispiel: Volleyball-Aufbau laden
Über diese App
Grundannahmen, Wechselwirkungen und Modellgrenzen · didaktische Operationalisierung des KAR-Modells nach Neumaier et al. (2009)
Was kann diese App?
▶Was zeigt und verdeutlicht diese App?
Die App macht das KAR-Modell von Neumaier et al. (2009) interaktiv erlebbar. Du kannst für jede Sportart oder Bewegungsaufgabe einstellen, wie hoch die 11 koordinativen Anforderungen sind — und siehst sofort, wie sie sich gegenseitig beeinflussen. Das ist der zentrale Lerneffekt: Koordinative Anforderungen wirken nicht isoliert. Hohe Erschöpfung macht Präzisionsaufgaben schwerer. Unvorhersehbare Situationen erhöhen die Komplexität. Zu viele Informationsquellen gleichzeitig überlasten die Verarbeitung. Die App macht diese unsichtbaren Wechselwirkungen sichtbar — durch den Vergleich von eingestellten und effektiven Werten im Radarchart und durch Warnsignale bei koordinativer Überlastung. Sie ersetzt keine Sportanalyse, aber sie hilft zu verstehen, warum eine Aufgabe schwerer wird, als sie auf den ersten Blick aussieht.
Grundprinzip
?Was ist ein „Effektivwert" und warum weicht er vom eingestellten Wert ab?
Der eingestellte Wert beschreibt die Anforderung einer Bewegungsaufgabe isoliert betrachtet. Der Effektivwert (gestrichelte Linie im Radarchart) zeigt, wie hoch die tatsächliche koordinative Beanspruchung ist, wenn Wechselwirkungen zwischen den Reglern berücksichtigt werden. Ein Tennisspieler im Tiebreak hat objektiv denselben Zeitdruck wie im ersten Satz — aber unter Erschöpfung (hoher Belastungsdruck) steigt die effektive Anforderung. Genau das bildet der Effektivwert ab.
Die 4 Wechselwirkungsregeln
1Belastungs-Amplifikation — warum verschiedene Koeffizienten?
Ab Belastungsdruck > 5 steigen alle Druckbedingungen mit. Aber nicht gleichmäßig: Komplexitätsdruck reagiert am stärksten (×0.30), weil Entscheidungen unter Ermüdung besonders leiden. Zeitdruck am schwächsten (×0.20), da Zeitvorgaben meist extern und unveränderbar sind. Präzisionsdruck (×0.26) und Situationsdruck (×0.22) liegen dazwischen. Ab Belastung > 7 kommt Wahrnehmungsverengung dazu: optische, kinästhetische, vestibuläre und Gleichgewichtsanforderungen steigen — Gleichgewicht am stärksten, weil posturale Kontrolle unter Ermüdung als erstes leidet (Perplexity/Neumaier).
2Speed-Accuracy-Dilemma — was ist das, und warum tritt es auf?
Das Speed-Accuracy-Dilemma (auch: Fitts' Law, 1954) beschreibt ein grundlegendes Problem jeder zielgerichteten Bewegung: Schnelligkeit und Genauigkeit schließen sich gegenseitig aus. Wer schneller wird, macht mehr Fehler — wer präziser werden will, muss langsamer werden. Das Nervensystem kann beides nicht gleichzeitig maximieren, weil die motorische Planung und Ausführung dieselben Kapazitäten beansprucht.
Im Sport tritt das Dilemma überall auf, wo gleichzeitig hohe Anforderungen an Tempo und Genauigkeit gestellt werden: der Tennisaufschlag mit maximalem Tempo ins Eck, der Torschuss unter Zeitdruck, der Stabhochspringer beim Anlauf. Der Sportler muss einen Kompromiss eingehen — und dieser Kompromiss selbst ist eine koordinative Zusatzleistung, die das Gehirn bewältigen muss. Je höher beide Drücke gleichzeitig sind, desto größer diese Zusatzlast. In der App steigt deshalb bei hohem Zeit- und Präzisionsdruck nicht nur jeder Regler einzeln, sondern auch der Komplexitätsdruck — weil die Bewegungsplanung als Ganzes schwieriger wird.
Wickens' Multiple Resource Theory sagt: Überlastung entsteht nicht durch viele Kanäle, sondern durch Kanäle, die dieselben Ressourcen beanspruchen. Deshalb werden Kanalpaare bewertet: Taktil + Kinästhetisch (+0.35) konkurrieren stark, da beide den Somatosensorik-Kanal nutzen. Vestibulär + Gleichgewicht (+0.45) noch stärker, da sie fast identische neuronale Pfade aktivieren. Optisch + Akustisch (+0.15) interferieren kaum, weil unterschiedliche Modalitäten. Ein Bonus-Sprung bei >4 aktiven Kanälen bleibt erhalten.
4Situations-Komplexitäts-Kopplung — was ist Bernsteins „Degrees-of-Freedom-Problem"?
Nikolai Bernstein erkannte: Je mehr Freiheitsgrade eine Bewegung hat (offene, unvorhersehbare Situation), desto mehr muss das Nervensystem kontrollieren. Hoher Situationsdruck (variabel, unvorhersehbar, gegnerbeeinflusst) bedeutet: mehr mögliche Handlungsalternativen, schnellere Entscheidungen nötig. Ab Situationsdruck > 4 steigt daher der Komplexitätsdruck (+0.25 pro Punkt), ab > 6 auch der Zeitdruck (+0.20) und die externen Wahrnehmungsanforderungen (optisch, akustisch).
Koordinativer Zusammenbruch
!Was passiert beim koordinativen Zusammenbruch?
Stell dir vor: Du spielst Basketball, bist in der Verlängerung, musst sofort entscheiden, ob du passt oder wirfst — und gleichzeitig ist der Gegner nah, du siehst die Uhr, dein Körper ist erschöpft. Irgendwann kommt der Moment: Das Gehirn schafft es nicht mehr, alle Anforderungen gleichzeitig zu verwalten. Bewegungen werden ungenau, Entscheidungen zu langsam, Reaktionen fehleranfällig. Das nennt man koordinativen Zusammenbruch — nicht weil der Sportler aufgibt, sondern weil das Nervensystem an seine Verarbeitungsgrenze stößt.
In der Motorikforschung spricht man von einem Kapazitätsengpass: Die Gesamtheit der koordinativen Anforderungen übersteigt, was das Gehirn in der verfügbaren Zeit verarbeiten kann. Das Ergebnis sind typische Fehlerbilder — Zitterbewegungen beim Freiwurf unter Druck, Gleichgewichtsverlust beim Landen, falsche Entscheidungen in unklaren Spielsituationen.
Die App zeigt diesen Bereich mit einer Warnanzeige, sobald der Durchschnitt aller Effektivwerte ≥ 7,5 erreicht. Ab ≥ 8,5 leuchtet rot: koordinativer Grenzbereich. Diese Schwellen sind didaktisch gewählt — aber sie helfen zu erkennen, welche Regler-Kombinationen eine Aufgabe koordinativ wirklich kritisch machen.
?Woher kommen die Zahlen — 0.26, 0.30, 0.45 usw.?
Die genauen Koeffizienten sind keine empirisch kalibrierten Messwerte. Das Original-KAR-Modell (Neumaier et al. 2009) ist ein deskriptives Analyseinstrument ohne Berechnungsformeln. Die Zahlen in dieser App sind theoriegeleitet gewählte Näherungswerte: ihre Relationen zueinander spiegeln sportwissenschaftliche Plausibilität wider (z. B. Gleichgewicht stärker betroffen als Akustik unter Ermüdung), aber keine validierten Messwerte. Fünf verschiedene KI-Systeme haben das Modell unabhängig voneinander bewertet und die Richtung der Effekte bestätigt.
Hinweis zum Modellstatus: Diese App ist eine didaktische Operationalisierung des KAR-Modells, keine direkte mathematische Umsetzung von Neumaier et al. (2009). Das Original-KAR dient der qualitativen Anforderungsanalyse; die hier dargestellten Wechselwirkungen und Effektivwerte sind schulgerechte Erweiterungen auf Basis von Fitts' Law, Wickens' Multiple Resource Theory und Bernsteins Koordinationstheorie. Im Unterricht empfiehlt sich der explizite Hinweis: „Das Modell zeigt theoretisch begründete Tendenzen, keine exakten Messwerte."